Donnerstag, 16. Februar 2017

20.000 MEILEN UNTER DEM MEER - Jules Verne / William O'Connor

Quelle Knesebeck


Zum Buch

 
 ~*~*~*~*~*~*~*~ INHALT ~*~*~*~*~*~*~*~

"Auf der Jagd nach einem furchteinflößenden Seemonster gehen Professor Pierre Aronnax, sein treuer Diener Conseil und der Harpunier Ned Land über Bord der Abraham Lincoln. Sie werden von einem beeindruckenden Unterseeboot gerettet, der Nautilus, und von Kapitän Nemo gut aufgenommen. Doch sie sind an ihn und seine Mannschaft gebunden und können nicht mehr in die Zivilisation zurückkehren. In weniger als zehn Monaten legen sie bei einer Weltumrundung 20.000 Meilen unter dem Meer zurück und entdecken viele Wunder wie eine versunkene Stadt und erleben zahlreiche Abenteuer. Doch wer ist Kapitän Nemo? Und werden sie an die Erdoberfläche zurückkehren können?"
(Quelle Knsebeck)

~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~


Bei manchen Büchern geht es - finde ich - nicht nur darum, sie zu lesen und zu besitzen, es geht auch um die Ausgabe, die man sich in den Schrank stellt. Vor allem bei Klassikern, aber auch bei Harry Potter, greife ich gerne zu aufwendig gestalteten und illustrierten Schmuckausgaben. So auch bei Jules Verne, zu dessen grandiosem 20.000 Meilen unter dem Meer nun eine wunderschöne Ausgabe bei Knesebeck erschienen ist. 

"Den Abend verbrachte ich mit Lesen, Schreiben und in Gedanken. Als ich müde wurde, streckte ich mich auf meinem Seegraslager aus und schlummerte tief, während die Nautilus  quer durch die reißende Strömung des Schwarzen Stromes fuhr."
(Seite 91)

Die Geschichte um Professor Pierre Aronnax, seinen Diener Conseil und den Harpunier Ned Land, die auf den geheimnisvollen Captain Nemo treffen und in dessen Unterseeboot Nautilus ein Abenteuer nach dem anderen erleben, war schon immer meine liebste aus der Feder von Jules Verne. Umso mehr habe ich mich gefreut, die von William O'Connor illustrierte Ausgabe nun in Händen halten zu können. 

Das Papier ist so bedruckt, dass es alt aussieht. Leicht vergilbt und fleckig, hier und da mit Bleistiftillustrationen versehen. Dazu kommen die vielen kolorierten, ganzseitigen Illustrationen von den einzelnen Figuren, der Nautilustaucherausrüstung, dem Schiff, der Stadt unter Wasser, all den Kreaturen der Tiefsee und der Natur über der Oberfläche. Die Figurenillustrationen gefallen mir nicht sooo gut, die anderen dafür umso mehr. Mein Lieblingsbild ist entweder das Coverbild oder die Illustration der versunkenen Stadt. Zwischendurch gibt es auch immer wieder Zeichnungen von Tiefseefischen wie aus einem Lexikon, Kartenausschnitte und Briefe. 

Diese Ausgabe von 20.000 Meilen unter dem Meer ist einfach ein Traum. Großformatig, mit wunderschönem Schutzumschlag, grandiosen Illustrationen und einer aufwendigen, hochwertigen Aufmachung. Ich würde mich freuen, wenn bald noch mehr Klassiker in dieser Art erscheinen würden. Mehr von Jules Verne, vielleicht auch Dracula, Frankensteint und Co. 




~*~ Knesebeck ~*~ 312 Seiten ~*~ mit 60 farbigen Abbildungen ~*~ ISBN: 978-3-95728-045-9 ~*~ Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ~*~ 29,95€ ~*~ Aus dem Französischen von Günter Jürgensmeier ~*~ 16. Februar 2017 ~*~




Dienstag, 14. Februar 2017

IM NÄCHSTEN LEBEN VIELLEICHT - Mia Sheridan

Quelle Piper

Zum Buch

 
 ~*~*~*~*~*~*~*~ INHALT ~*~*~*~*~*~*~*~

"Hunger, Schmutz, Verzweiflung. Das ist bitterer Alltag für Tenleigh und Kyland, die in einem armen Minenarbeiterdorf in den Bergen von Kentucky aufwachsen. Die einzige Chance, ihre trostlose Heimat für immer zu verlassen, ist das Stipendium des ortsansässigen Kohleunternehmens. Doch nur einer kann es gewinnen, alle anderen müssen bleiben. Da ist kein Platz für Freundschaft – oder Liebe. Trotzdem ändert sich alles, als Tenleigh und Kyland sich kennenlernen. Die beiden Konkurrenten wehren sich mit aller Kraft gegen ihre Gefühle füreinander, denn was passiert, wenn einer von ihnen gewinnt? Wenn nur einer gehen kann? Und der andere zurückbleibt?"
(Quelle Piper)

~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~


Nach den vielen Thrillern in den letzten Tagen brauchte ich mal wieder etwas fürs Herz. Der New Adult Roman Im nächsten Leben vielleicht schien da genau das richtige zu sein: eine amerikanische, dramatische Liebesgeschichte voll mit willkommenem Kitsch und einem durch und durch amerikanische Ende. 

Die Geschichte wird abwechselnd aus den Ich-Perspektiven von Tanleigh und Kyland erzählt, die beide ihre Gründe haben, warum sie sich nicht auf eine Liebesbeziehung einlassen möchten. Kyland hat sich fest vorgenommen, ein Stipendium zu ergattern und in weniger als sechs Monaten sein altes Leben hinter sich lassen zu können. Ein ärmliches Leben in einem Bergarbeiterort, ein Leben, das ihm bereits seinen Vater und seinen Bruder genommen hat. Und auch Tanleigh möchte dieses Stipendium unbedingt, um sich und ihrer Schwester Marlo ein besseres Leben ermöglich zu können und um für ihre psychisch kranke Mutter besser sorgen zu können. Sie beide sehenen sich danach, diesen Ort hinter sich lassen zu können, und sie beide sehen sich gleichzeitig nacheinander - obwohl das eine nicht mit dem anderen einhergehen kann. 

"Ich lehnte mich an unseren Wohnwagen und folgte ihm mit meinem Blick, bis er nicht mehr zu sehen war. Kyland Barrett war vollkommen anders, als ich bisher angenommen hatte. Was ich als verwirrend und beglückend, doch vor allem als in höchstem Maß beunruhigend empfand."
(Seite 26)

Der Plot bietet nicht viel Neues, wie schon erwähnt empfand ich die ganze Geschichte - das Ende eingeschlossen - als sehr amerikanisch. Obwohl ich gerade wirklich in der Stimmung für einen leichten und gleichzeitig traurigen New Adult Roman war, war es mir zwischendurch etwas zu viel. Zu viel Kitsch, zu viel Drama, zu viel Pathos. Zwischendurch wirkte die Geschichte einfach überkonstruiert und mir haben ein paar neue, frische Ideen gefehlt. Im nächsten Leben vielleicht bietet ein paar angehme Lesestunden, was die Geschichte angeht, aber nichts wirklich Originelles oder Überraschendes.

Der Schreibstil ist okay. Er lässt sich die meiste Zeit über flüssig lesen, wird mir aber oft zu pathetisch und kitschig und einige Formulierungen wiederholen sich einfach zu oft. Ständig werden die Augen weit aufgerissen, ständig wird ein leises Lachen ausgestoßen, ständig wird verwirrt geblinzelt, und so weiter. Auch die Dialoge wirken etwas zu bemüht, vor allem das ewige "Tanleigh..."-"Kyland..."-Gestöhne wird auf Dauer etwas nervig. Abgesehen davon lässt es sich recht zügig lesen. 

Ich war recht schnell durch mit Im nächsten Leben vielleicht, was vielleicht auch an dem geringen Umfang von nur 328 Seiten liegt, aber lange im Gedächtnis bleiben werden mir die Figuren und ihre Geschichten nicht. Es ist nettes Lesefutter für zwischendurch, ein kurzweiliger, kitschiger, leicht erotischer Happen für einen Abend, aber mehr leider nicht. 




3 von 5 Punkten

Cover 1/2 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 1/2 Punkt, Sprache 1/2 Punkt, Figuren 1/2 Punkt

~*~ Piper ~*~ 336 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-492-30943-1 ~*~ Taschenbuch ~*~ 9,99€ ~*~ 12. Januar 2017 ~*~ Übersetzt von Uta Hege ~*~

SWEET & SALTY ~ FRÜHSTÜCK FÜR DEN GANZEN TAG - Andrea Martens & Jo Kirchherr

Quelle AT


Zum Buch


~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~


Kennt ihr das? Abends überlegt man sich, am nächsten Morgen endlich einmal richtig zu frühstücken, sich etwas mehr Zeit zu nehmen, und ein bisschen Abwechslung in die erste Malzeit des Tages zu nehmen. Und dann wacht man morgens auf und macht sich doch nur wieder Toast, Müsli oder Porridge. Wie jeden Morgen. Um meine Motivation etwas zu beflügeln, habe ich mir jetzt zum ersten Mal ein reines Frühstückskochbuch zugelegt: Sweet & Salty. Vielleicht habe ich gerade wegen des zauberhaften Untertitels für dieses Buch entschieden: Frühstück für den ganzen Tag. Das klingt danach, de ganzen Tag im Bett zu bleiben, oder vom Bett (natrülich noch im Schlafanzug) zur Couch zu wandern, das klingt gemütlich und entspannt. Das klingt nach Sonntag. 

Genauso spannend wie die Idee, ein Frühstück einen ganzen Tag lang zu zelebrieren, ist aber auch das Grundkonzept. Süß und zalzig, das mag auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Doch dann denke ich an meine heißegeliebte Salzkaramellschokolade und daran, dass es in den USA immer Bacon zu Pancakes und French Toast gab und dass das einfach herrlich zusammengepasst hat. Und daran, dass ich zurzeit morgens immer erst ein süßes Toast und dann ein herzhaftes esse. Mandelcreme mit Schinken auf einem einzigen Toast bin ich allerdings noch nicht bereit auzuprobieren. 

Sweet & Salty unterteilt seine Rezepte, mit denen ers nach einer kurzen Einführung in das Süß-und-salzig-Prinzip auch sofort losgeht, in folgende Kapitel:

  1. Smoothies & Bowls
  2. Waffeln
  3. Pancakes & Crepes
  4. Brote & Toast
  5. Aus dem Ofen
  6. Omletts & Co
  7. Für den größere Hunger

Die Rezepte sind teilweise sehr ausgefallen - manchmal auch etwas zu ausgefallen - und nichts, was man mal eben morgens zubereitet, wenn man vor der Arbeit nur noch eine halbe Stunde Zeit hat. Waffeln mit Ente á la Orange oder Blätterteigschnecken mit selbstgemachter Chorizomarmelade? Da braucht es schon einen stressfreien Sonntag. Das eine oder andere werde ich sicherlich mal für mich und meine Familie ausprobieren, aber für das tägliche Frühstück im Arbeitsalltag sind die Rezepte eher nicht geeignet. Dafür aber vielleicht als Mittagessen, sofern sie sich gut vorbereiten lassen, als Abendessen, zum Brunch oder als Katerfrühstück an freien Tagen.

Die Aufmachung gefällt mir übrigens sehr gut. Die Food Fotos treffen genau meinen Geschmack und auch das dunkle, rustikale Layout spricht mich sehr an. Die Speisen sehen durch und durch appetitlich aus, keine Frage, und ich blätter das Buch sehr gerne durch. Wie oft ich es tatsächlich benutzen werde ist eine andere Frage. 




~*~ AT Verlag ~*~ 144 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-03800-943-6 ~*~ Pappband ~*~ 19,95€ ~*~ 22. August 2016 ~*~

Sonntag, 12. Februar 2017

DEMON ~ SUMPF DER TOTEN - Preston & Child

Quelle Knaur


Zum Buch


 ~*~*~*~*~*~*~*~ INHALT ~*~*~*~*~*~*~*~

"n der Kleinstadt Exmouth an der Küste von Massachusetts soll Special Agent Pendergast den Raub einer wertvollen Weinsammlung aufklären. Im Weinkeller stößt er überraschend auf eine frisch zugemauerte Nische. Hinter der Wand sind Ketten zu finden, außerdem ein menschlicher Fingerknochen. Offenbar wurde hier vor langer Zeit jemand lebendig eingemauert. Die Einbrecher haben das Verlies geöffnet, das Skelett herausgeholt und die Mauer wieder geschlossen – der Weinraub war anscheinend reine Ablenkung. Schnell muss Pendergast lernen, dass Exmouth eine äußerst dunkle Vergangenheit hat. Das Skelett ist nur der erste Hinweis auf eine Verfehlung aus alter Zeit, die bis heute ungesühnt ist."
(Quelle Droemer Knaur)

~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~



So wie es einmal im Jahr Zeit für einen neuen Fitzek ist, so ist es auch einmal jährlich Zeit für einen neuen Fall von Special Agent Pendergast aus der Feder des Autoren-Duos Douglas Preston und Lincoln Child. Manchmal habe ich richtig Lust auf das Kopfkino, dass die beiden produzieren können, und sehne mich nach dem Adrenalinkick, den mir das Eintauchen in Pendergasts Welt beschert. Etwas ungewöhnlich klang für mich der Klappentext - ein Raub, bei dem Wein und ein Skelett gestohlen wurde? -, denn hier deutet nichts auf die für einen Pendergast-Fall typischen Mystery Elemente hin. 

"Der Ort verströmte die Atmosphäre leichter Vernachlässigung - was seinen Charme nur noch erhöhte: ein Städchen am Meer mit weißen Schindelhäusern, Seemöwen, die am Himmel kreisten, holprigen Backsteinbürgersteigen und kleinen Geschäften."
(Kapitel 2)

Aber keine Sorgen, natürlich ist auch Demon wieder ein Thriller, der Mystery und Wissenschaft mit Action vermischt. Besonders spannend finde ich bei diesem Fall wieder einmal die Verbindung zu historischen Ereignissen. Wer anders als Special Agent Pendergast würde wohl einen Weindiebstahl mit den Hexen von Salem in Verbindugng bringen? 

Der Plot von Demon unterscheidet sich dahingehend von den letzten beiden Bänden, dass er  sich etwas mehr auf seine Wurzeln besinnt, was mir persönlich ausgesprochen gut gefällt. Viele alte Bekannte treffen wir dieses Mal nicht wieder, der Fokus liegt viel mehr auf Pendergast und Constanze Green und ihrer zwischenmenschlichen Beziehung zueinander sowie auf der Aufklärung des Falles. Eines Falles, der mir wirklich gut gefallen hat. Dieses Monster, das da fröhlich durch die Gegend mordet, und die seltsamen Bewohner von Exmmouth, die den Ermittlern keinen Schritt entgegen kommen. Und dann ist da noch das Ende... Ich kann mich nicht erinnern, dass es in dieser Reihe schon einmal einen fieseren Cliffhanger gab als diesen. 




4,5 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1 Punk, Plot 1 Punkt, Figuren 1 Punkt, Sprache 1/2 Punkt

~*~ Knaur ~*~ 416 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-426-65402-6 ~*~ Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ~*~ 19,99€ ~*~ Ins Deutsche von Michael Benthack ~*~ 10. Januar 2017 ~*~

Samstag, 11. Februar 2017

GEISTER - Nathan Hill

Quelle Piper

Zum Buch

 ~*~*~*~*~*~*~*~ INHALT ~*~*~*~*~*~*~*~

"Ein Anruf der Anwaltskanzlei Rogers & Rogers verändert schlagartig das Leben des Literaturprofessors Samuel Anderson . Er, der als Kind von seiner Mutter verlassen wurde, soll nun für sie bürgen: Nach ihrem tätlichen Angriff auf einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten verlangt man von ihm, die Integrität einer Frau zu bezeugen, die er seit mehr als zwanzig Jahren nicht gesehen hat. Ein Gedanke, der ihm zunächst völlig abwegig erscheint. Doch Samuel will auch endlich begreifen, was damals wirklich geschehen ist."
(Quelle Piper)

~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~
 

Manchmal sehe ich ein Buch und weiß sofort, ohne auch nur einen Blick auf den Klappentext zu werfen, dass ich es lesen muss. Geister von Nathan Hill ist ein solches Buch, bei dem ein einziger Blick auf das Cover gereicht hat, mich zu verlieben. 

Geister ist eines dieser Bücher, bei denen es gar nicht so sehr um den Inhalt geht. Und der ist auch eigentlich viel zu komplex, um ihn zusammenzufassen. Hier werden so viele Themen angeschnitten und vertieft, so viele Aspekte des Lebens und der Geschichte beleuchtet, über so viele Jahrzehnte erzählt. Die Geschichte erstreckt sich von 1968 bis 2011 und immer wieder geht es um den Literaturprofessor Samuel und seine Mutter, zu der er 20 Jahre lang keinen Kontakt hatte, aber auch um viele andere Menschen und ihre Schicksale.

"Hätte Samuel gewusst, dass seine Mutter weggehen würde, hätte er vielleicht besser aufgepasst, [...], sich ein paar wichtige Dinge aufgeschrieben. Vielleicht hätte er sich auch anders verhalten, anderes gesagt, wäre ein anderer Mensch gewesen. Vielleicht ein Kind, für das es sich gelohnt hätte zu bleiben."
(Seite 11)

Im Vordergrund stehen keinesfalls die historischen Ereignisse wie die Chicagoer Aufstände oder Occupy Wall Street, sondern die Menschen. Und vermutlich ist es genau das, was mich an Geister so fasziniert hat. Die Tiefe mit der Nathan Hill seine Figuren gezeichnet hat, ihre Authenzität und Vielschichtigkeit. Bevor man also versucht, Geister thematisch in eine Schublade zu stecken und herauszufinden, worum es eigentlich geht, kann man wohl am besten sagen: es geht um die Menschen, ihre Geschichten und ihre Beweggründe und die Entscheidungen, die sie treffen.

Nathan Hills Schreibstil ist ruhig, angenehm, manchmal vielleicht ein bisschen träge. Dass der Roman über 860 Seiten umfasst, habe ich beim Lesen aber nicht gemerkt, im Gegenteil, ich war überrascht, wie schnell ich ihn ausgelesen hatte. Ich habe schon länger keinen amerikanischen Gesellschaftsroman mehr gelesen und ich kann mich nicht erinnern, jemals einen gelesen zu haben, der mir so gut gefallen hat und den ich so verschlungen habe.

Geister ist ein beeindruckendes Debüt und ich bin sehr gespannt, was und worüber Nathan Hill als nächstes schreiben wird. Lesen werde ich es in jedem Fall. 



5 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 1 Punkt, Figuren 1 Punkt, Sprache 1 Punkt

~*~ Piper ~*~ 864 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-492-05737-0 ~*~ Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ~*~ 25,00€ ~*~ 04. Oktober 2016 ~*~ Übersetzt von Katrin Behringer und Werner Löcher-Lawrence ~*~

Donnerstag, 9. Februar 2017

BLACK MEMORY - Janet Clark

Quelle Heyne


Zum Buch
*KLICK*


~*~*~*~*~*~*~*~ INHALT ~*~*~*~*~*~*~*~

"Ein vermisstes Mädchen mit einer einzigartigen Inselbegabung.
Eine Ärztin, die sich an jedes Detail ihrer Ausbildung erinnern kann, aber nicht an ihren Namen und auch nicht an das Verbrechen, das sie begangen haben soll.
Als Clare orientierungslos auf einem Boot vor der indonesischen Küste erwacht, wird sie verhaftet. Sie soll ein kleines Mädchen entführt haben. Nur durch den Einsatz eines Mannes, mit dem sie angeblich verheiratet ist, kommt sie frei.
Zurück in London begreift sie, dass der Schlüssel zu dem Schicksal des vermissten Mädchens in ihrer Erinnerung vergraben ist. Doch diese ist verschüttet - von einem Trauma, so extrem, dass sich Clare mit einem völligen Blackout schützt." 
(Quelle Heyne)

~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~


Hm.

Meine Mom hat Black Memory vor mir gelesen, hat es regelrecht verschlungen. "Das musst du lesen!" Und eigentlich haben wir bei Thrillern den gleichen Geschmack, also stieg meine Vorfreude - die bei dem Cover und Klappentext ohnehin schon da war -, noch etwas an. Und der Anfang hat mich auch wirklich mitgerissen. Eine Frau wacht mitten im indischen Ozean auf, halb verdurstet und ohne jegliche Erinnerung daran, wer sie ist. Anscheinend wird sie wegen Kindesentführung gesucht und sie wird verhaftet, sobald die Polizei sie findet. Menschen, die sie kennen, finden sie und bringen sie zurück nach London. Nur leider weiß sie nicht, wem sie vertrauen kann. Ihrem Ehemann Paul, der behauptet, sie habe ihre gemeinsame Tochter entführt? Ihrer angeblich beste Freundin Angela? Ihrem Portier Raphael? Ihrer Anwältin Moira? Ihrer Therapeutin Torenzo?

"Zögerlich, den Blick starr auf die geöffneten Türen gerichtet. Ihr Atem ist schnell, getrieben von der Angst, was sie im Inneren erwarten würde."
(Seite 39)

Die Suche nach dem Mädchen Bonnie ist zugleich auch eine Suche nach Clares Erinnerung. Was ist passiert, das so Schrecklich war, dass sie sich zwar an ihr medizinisches Wissen erinnern kann, nicht aber an ihr Leben, ihren Namen und ihre eigene Tochter? Und was hat das Ganze mit Bonnies Fähigkeit zu tun? 

Genau, Fähigkeit. In der Kurzbeschreibung ist von Inselbegabung die Rede, aber das, was Bonnie und auch Clare tun, lässt sich medizinisch sicherlich nicht mehr erklären. Hier wird der Roman plötzlich von einem Mystery-Element erfüllt, dass für mich so gar nicht zu diesem Verlorene-Erinnerung-Thriller passen will. Klar, später wird das auf Sci-Fi-Ebene erklärt und scheint plötzlich nicht mehr ganz so unmöglich. Aber trotzdem. Mich hat es irgendwie gestört.

Die ersten 100 Seiten habe ich verschlungen und dabei immer wieder neue Vermutungen angestellt, wem Clare trauen darf und wem nicht. Tja, und danach war irgendwie die Luft raus. Das Rätselraten ging zwar weiter, aber für mich hat es von jetzt auf gleich die Spanung verloren. Hin und her überlegt habe ich beim Lesen: weitermachen oder abbrechen? Und dann, als ich es eigentlich für immer zuklappen wollte, auf den letzten 100 Seiten, zog die Spannung wieder an und es kam wieder etwas mehr Pfeffer in die Geschichte. Plötzlich hat mich wieder interessiert, was mit Clare und Bonnie passiert und ich war wieder gebannt von den möglichen Wendungen, die die Geschichte nimmt: Paul oder Raphael, wem soll sie vertrauen?

Und dann war die Geschichte plötzlich vorbei und ich blieb irgendwie unbefriedigt zurück. Das war's jetzt? Keine weiteren Erklärungen oder Ausführungen? Und was war jetzt dieses Trauma, wegen dem sie die Erinnerung verloren hat? Das ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Nein, ich bin nicht überzeugt. Black Memory hat wirklich stark angefangen, aber dann leider rapide nachgelassen. Es wirkt ein bisschen so, als wüsste es selbst nicht, was es sein will: Medizin-Thriller? Mystery-Thriller? Sci-Fi-Thriller? Psychothriller? Ich hatte mir doch deutlich mehr davon versprochen




3 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1/2 Punkt, Plot 1/2 Punkt, Figuren 1/2 Punkt, Sprache 1/2 Punkt 

~*~ Heyne ~*~ 384 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-453-41833-2 ~*~ Paperback ~*~ 12,99€ ~*~ 12. Dezember 2016 ~*~