Sonntag, 23. Juli 2017

BIS DU ALLES VERLIERST - Adele Parks

Quelle HarperCollins


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~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~


Eines Tages steht ein Mann vor Alisons Tür, der eine schreckliche Behauptung aufstellt. Nämlich, dass ihre heißgeliebte Tochter Katherine gar nicht ihre Tochter ist. Sondern seine. Und seine Tochter Olivia ist eigentlich ihre. Vor 15 Jahren wurden die Babys im Krankenhaus vertauscht und nicht nur das: herausgekommen ist es nur, weil Olivias Mutter an einem seltenen Krebs auslösenden Gendefekt gestorben ist und Olivia sich daraufhin testen lassen wollte. Mit dem Ergebnis, dass sie nicht nur das Gen nicht hat, sondern dass sie überhaupt nicht mit den Trudys verwandt ist. Dafür könnte Katherine das tödliche Gen geerbt haben. 

"Ich habe eine Mauer errichtet. Sie ist dick und aus Backstein. Unglaublich hoch und undurchdringlich. So hoch wie ein Wolkenkratzer, so breit wie mehrere Autos. Dahinter sind Gedanken daran, was sein könnte."
(Seite 382)

Als ich im Klappentext gelesen habe, dass Katherine "wahres Unheil" droht, bin ich von einem Verbrechen ausgegangen. Nicht von einer potenziell tödlichen Erbkranktheit, bei der die Chancen 50/50 stehen, dass sie sie geerbt hat. Doch die ersten 50 Seiten vergehen ereignislos. Dann 100. 150. 200. Ein ganz kurzes Aufflackern, die Andeutung einer Ahnung im Nebensatz. Haben die Trudys vielleicht nicht die Wahrheit gesagt? Doch dann geht der Trott weiter. 250 Seiten und nichts ist passiert. Also nichts, das aus diesem Buch einen Thriller macht, bislang ist es nur ein Familiendrama. Und ein langweiliges noch dazu. Aber vielleicht ändert sich das ja noch? Nein, aus 250 Seiten werden 300, dann 350. Irgendwann ist es vorbei. Und dabei ist es nicht nur langweilig, es ist zwischendurch auch furchtbar aufgeblasen geschrieben. Die tapfere Sonne als glühender Liebhaber? Also bitte.

"Die tapfere Herbstsonne scheint schwach, aber trotzig und schickt mir etwas Wärme durch die Strumpfhose, haucht ihren Atem auf meine Beine, wie ein glühender Liebhaber es tun würde."
(Seite 200)

Im Vordergrund der Geschichte steht Alison, die Mutter von Katherine beziehungsweise ja eigentlich von Olivia, und eigentlich geht es nur darum, wie diese Frau, die ihr Kind abgöttisch liebt, versucht damit klar zu kommen, dass sie gar nicht ihr eigenes Kind großgezogen hat. Es wird immer wieder betont wie sehr Alison Katherine liebt und wie perfekt die Tochter ist und dass Alison nichts anderes will, als Mutter zu sein. Eine klassische Helikoptermutter. Und eigentlich war ja ihr ganzes Erwachsenenleben völlig perfekt, wie aus dem Bilderbuch. Für meinen Geschmack war das viel zu übertrieben dargestellt, was vermutlich Teil von Alisons extrem nervtödenem Charakter ist. Sie ist eine furchtbar unsympathische Ich-Erzählerin, die mir mit jeder Seite mehr auf die Nerven ging.

Im Laufe des Verarbeitungsprozesses entzweit sie sich allmählich mit ihrem Lebenspartner Jeff, dafür kommt sie dem Vater des anderen Mädchens - Tom - immer näher. Natürlich rein platonisch. Zunächst. Und sie versucht damit zurechtzukommen, dass Olivia nichts mit ihr zu tun haben will, während Katherine vielleicht schon bald an einer potenziell tödlichen Erbkrankheit sterben wird. Wobei, so richtig um Olivia bemühen tut sie sich eh nicht, als wäre sie kein bisschen neugierig auf ihre biologische Tochter. Ach ja und dann gibt es immer wieder Sprünge in Alisons Vergangenheit, in denen nur erzählt wird, dass ihre Kindheit nicht so perfekt war wie Katherines. Traurig, wenn man sich darauf einlässt, ja., ber was zum Teufel sollte das mit Peter? Der Strang läuft ins Leere. Was an all dem jetzt ein Thriller sein soll, weiß ich auch nicht. Es ist ein übertrieben dramatisches, kitschiges, langweiliges Familiendrama, in dessen Fokus eine völlig überzogen dargestellte Übermutter steht, die mich als Leserin in den Wahnsinn getrieben hat.

"Ich könnte ihm zu nahe kommen, weil er Katherine so ähnlich ist. [...] Es fällt mir schwer, die beiden strikt auseinanderzuhalten. Die beiden sind untrennbar miteinander verwoben. Ich vertraue ihm, weil ich ihr vertraue. Ich halte ihn für liebenswert, weil ich weiß, dass sie es ist."
(Seite 314)

Ich habe in letzter Zeit viele langweilige Thriller gelesen und ich habe mich oft gefragt, womit diese Geschichten die Bezeichnung Thriller überhaut verdient haben. Bei Bis du alles verlierst fühle ich mich aber komplett veräppelt. Dieser reißerische Titel, das Genre typische Cover, der Klappentext. Und dann bekommt man die tragischen Probleme einer reichen Hausfrau und Mutter vorgesetzt? Was soll das? Bis du alles verlierst als Thriller zu bezeichnen ist, als würde man auf eine Dose Rollmöpse Schokolade schreiben. Warum ich das Buch zuende gelesen habe? Weil ich wissen wollte, ob nicht doch noch ein Grund dafür kommt, dass sich diese Geschichte Thriller nennen darf. Ab Seite 380 passiert tatsächlich endlich etwas, aber was das ist, habe ich schon nach 200 Seiten gewusst. Also war es eigentlich keine Überraschung und was folgt ist lediglich eine mögliche Konsequenz aus dem vorangegangen Drama. Wer beide Augen zukneift und viel guten Willen mitbringt, kann vielleicht behaupten, dass ab Seite 380 so etwas wie eine Thrillerhandlung einsetzt. Aber ich bin nicht bereit, auch nur ein Auge zuzukneifen und sage daher: Nein, dieses Buch ist auf keiner einzigen Seite ein Thriller.





~*~ HarperCollins ~*~ 450 Seiten ~*~ ISBN: 9783959671118 ~*~ Klappbroschur ~*~ 14,00€ ~*~ ~*~ Ins Deutsche von  Birgit Salzmann ~*~ 10. Juli 2017 ~*~

Freitag, 21. Juli 2017

ROCK MY DREAMS ~ THE LAST ONES TO KNOW (4) - Jamie Shaw

Quelle Blanvalet


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~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~

 
Da ist er nun, Rock my Dreams, der vierte und vermutlich letzte Band der neuen Rockstar-Reihe The Last Ones to Know. Hach, nach meinen anfänglichen Startschwierigkeiten mit Bands 1 wünsche ich mir nun, es wäre noch nicht zuende und Jamie Shaw würde irgendwie irgendwann einen Band 5 aus dem Ärmel schütteln. 

In diesem letzten Band geht es um Mike, den Drummer der Band The Last Ones to Know. Ich habe mich lange auf seine Geschichte gefreut, weil er mir von allen Bandmitgliedern am bodenständigsten und sympathischsten erschien. Er war irgendwie die treue Seele der Band, ohne Starallüren oder Sonstiges. Eben der typische Good Guy. Ich muss aber sagen, dass Jamie Shaw es hier mit dem Good-Guy-Image ein bisschen übertrieben hat und Mike schon fast als Übermensch wegkommt. Ich mag die Figur noch immer, aber zwischendurch wurde sie mir einfach zu überspitzt dargestellt und ich habe das Bodenständige etwas vermisst. 

Doch zum Glück ist da noch sein weibliches Gegenstück Hailey. Sie ist das typische Mädchen vom Land und viel zu unschuldig für diese Welt. Da sie selbst nicht viel Geld hat, lässt sie sich ihr Studium von ihrem Onkel finanzieren. Was an sich ganz gut funktioniert, wäre da nich ihre intrigante, unausstehliche Cousine Dancia, die sie regelmäßig mit dieser Tatsache erpresst. Hailey war mir sehr sympathisch und auch wenn ich sie nicht so spannend fand wie Kit, hat sie mir als Protagonistin sehr gut gefallen. 

Rock my Dreams ist wieder eine tolle Geschichte fürs Herz und ich liebe diese ausgewogene Mischung aus Musik und Romantik. Die Serie hat sich langsam in mein Herz geschlichen, aber jetzt wünsche ich mir, dass sie noch nicht vorbei ist. Ich würde so gerne mehr aus dem Leben der Band und ihrer Freundinnen erfahren... Wer weiß, vielleicht überrascht Jamie Shaw uns ja und wenn nicht, dann lese ich eben alle vier Bände noch einmal. 




~*~ Blanvalet ~*~ 480 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-7341-0555-5 ~*~ Paperback ~*~ 12,99€ ~*~ Aus dem Amerikanischen von Veronika Dünninger ~*~ 17. JUli 2017 ~*~ 

Mittwoch, 19. Juli 2017

DAS FRIEDMANN-HAUS - Peter Martin

Quelle Lübbe
 
 
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 ~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~



Jan ist ein Berliner Szenejournalist und Blogger und als er von dem Friedmannhaus erfährt, ist er nicht nur beruflich, sondern auch privat fasziniert. Innerhalb kürzester Zeit sind dort drei Menschen verschwunden: der Hausmeister Carl Kowalski, die Unternehmerin Bianca Meier und die BWL-Studentin Lea Daniels. Sie haben keine Spur hinterlassen, haben sich von jetzt auf gleich quasi in Luft aufgelöst. Sind sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Oder steckt etwas anderes, Übernatürliches dahinter? Genau dem will Jan auf die Spur gehen und zieht in Leas ehemalige Wohnung im Friedmannhaus ein. 

"Ihr verschwendet eure Zeit mit euren Hanys, checkt sinnlos Mails und tippt überflüssige Posts in eure Computer. Das normale Leben. Aber bekommt ihr überhaupt noch mit, was um euch herum passiert? Was wisst ihr über die Menschen, mit denen ihr zusammenlebt?"
(Position 105 von 3235)

Die Geschichte wird auf zwei verschiedene Arten erzählt. Da ist einmal der personale Erzähler Jan, den wir bei seiner Arbeit begleiten und durch dessen Recherchen wir mehr über das Friedmannhaus erfahren. Er ist ein recht analytischer und ruhiger Mensch, der emotionale Aspekt bleibt leider ein wenig auf der Strecke. Ich konnte ihn als Leser bei dem beobachten, was er tat, aber nicht mit ihm fühlen und in seine Gefühlswelt eintauchen. Ein bisschen mehr über seine Gedanken erfährt man in der zweiten Erzählart, bei der es sich im Bloggeinträge von Jan handelt. Zudem erfahren wir im Prolog, was mit Carl Kowalski passiert, sodass wir Leser Jan gegenüber einen gewissen Wissensvorsprung haben. Eine gut gelungene Kombination, für meinen Geschmack könnten es sogar noch mehr Bloggeinträge sein.

"Als würde eine unsichtbare Kraft ihn in der Mitte auseinanderreißen! Die Haut begann zu brennen, die Haare auf dem Kopf, Brust und Rücken fühlten sich an wie Nadelns in seinem Fleisch. [...] Licht, auf einmal überall quälend helles Licht. [...] Als er die Lider öffnete, blickte er direkt in einen alles überstrahlenden Stern. Die Hölle? Der Himmel?"
(Position 97-98 von 3235)

Bei seinen Recherchen kommt Jan unvermeidlich in Kontakt mit den anderen Bewohnern des Friedmannhauses. Was haben sie gesehen, was wissen sie, was erzählt man sich über das Haus, was haben sie dort schon erlebt. Allerdings begegnet Jan dort ahuptsächlich ziemlich durchgeknallten Gestalten, was ab einem gewissen Punkt etwas unglaubwürdig wurde. Lebt in diesem Haus wirklich kein normaler Mensch, abgesehen von Jan? Andererseits treffen wir durchaus auch sympathische Figuren in dieser Geschichte, wie den stotternden, Actionfilme liebenden Ivo, oder Jans andere Freunde Nadja und Henning.

Das wirklich Reizvolle an Das Friedmann-Haus war jedoch die ewige Frage, die sich sowohl Jan wie auch ich die ganze Zeit über gestellt haben: sind die drei Verschwunden einem Verbrechen zum Opfer gefallen oder spukt es in dem alten Haus? Haben wir es mit einem Irren oder mit einem Geist zu tun? Ist das Verschwinden der drei Leute rational oder nur übernantürlich erklärbar? Diese ständige Ungewissheit, ob das Knarzen nun einfach Geräusche eines alten Hauses oder doch etwas anderes ist, hat für einen großartigen Nervenkitzel gesorgt. In seinen Blogbeiträgen stellt Jan selbst Theorien auf, die immer gewagter werden, angefangen bei Schwarzen Löcher über eine Verschwörung des Staates bis hin zu Dämonen. Doch was ist wohl wahrscheinlicher und was trifft letztendlich zu? 

Das Friedmann-Haus hätte für meine Geschmack noch deutlich gruseliger sein können, aber es hat mich gut unterhalten, und das war mir bei diesem Titel die Hauptsache. 




~*~ be by Lübbe ~*~ 314 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-7325-2680-2 ~*~ eBook ~*~ 6,99€ ~*~ 01. April 2017 ~*~

Dienstag, 18. Juli 2017

DIRTY THOUGHTS. JENNA & CAL ~ MECHANICS OF LOVE (1) - Megan Erickson

Quelle Ullstein


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  ~*~*~*~*~*~*~*~ INHALT ~*~*~*~*~*~*~*~


"Mit allem hätte Cal gerechnet, aber nicht damit, dass Jenna nach über zehn Jahren plötzlich in seiner Autowerkstatt steht. In der Highschool waren die beiden ein Paar, doch dann ging Jenna weg. Verließ Cal, der sich um seine kleinen Brüder kümmerte und die Werkstatt seines Vaters am Leben hielt. Und jetzt ist sie wieder da, als selbstbewusste Frau frisch aus New York, um in der Firma ihres Vaters zu arbeiten. Und auch aus dem Jungen Cal ist ein tougher Mann geworden, der nicht nur über einer Motorhaube verdammt heiß aussieht, sondern eigentlich einen sehr weichen Kern hat. Von der Anziehung zwischen ihnen ist nichts verloren gegangen. Aber immer noch stehen die Ereignisse von damals zwischen ihnen. Doch dieses Mal lässt Jenna nicht zu, dass ihr Glück zerstört wird."
(Quelle Ullstein)

 ~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~

 
Dafür, dass es sich vom Titel her wie sehr erotische New Adult im Stil von Crossfire und 50 Shades of Grey anhört, ist Dirty Thoughts verhältnismäßig harmlos, was den Erotikanteil betrifft. Diese Geschichte hat tatsächlich etwas mehr zu erzählen als nur wie zwei Leute Sex miteinander haben.

Im ersten Band der Mechanis of Love Reihe stellt Megan Erickson uns ein ganzen Ensemble an Figuren vor, das Lust auf die weiteren Bände macht. Allen voran natürlich Jenna und Cal, die vor zehn Jahren ein Paar gewesen sind, bevor Jenna nach New York abgehauen ist. Seitdem haben sich beide verändert, aber die Anziehungskraft zwischen ihnen besteht nach wie vor. Neben dem Pärchen treten noch einige andere Charaktere in Erscheinung, die die Geschichte erst richtig interessant machen. Da wäre einmal Jennas beste Freundin Delilah, dazu kommen Cals Brüder Max und Brent und sein Halbbruder Asher sowie sein Vater Jack.

"Er wollte das nicht. Das versuchte er sich einzureden. Das war nichts für ihn. Jenna war nichts für ihn."
(Position 814 von 4012)

Zum Inhalt gibt es nicht viel zu sagen, es ist eine typische New Adult Lovestory, die mir vor allem durch ihre sympathischen Figuren gefällt. Besonders gefällt mir, dass Cal zwar der typische, verschlossene, leicht in sich gekehrte Kerl ist, dabei aber nicht dem stereotypen Bad Boy Image nachhängt, sondern sich stattdessen seit seiner Jugend rührend um seine beiden jüngeren Brüder gekümmert hat und schnell Verantwortung in der Werkstatt seines Vaters übernehmen musste. Ja, auch er ist wieder so eine Figur, die an einigem aus der Vergangenheit zu knabbern hat, aber er zeigt dabei sein weiches Herz und ich glaube, er ist ausnahmsweise mal nicht der Typ, der eine Frau abweist, um sie zu schützen, sondern um sich selbst zu schützen. Die klassische Playerfigur stellt da eher sein Bruder Brent da, das mittlere Kind der Familie Playton.

"Sie kam zu dem Schluss, dass es ein Fehler gewesen war herzukommen. [O]bwohl sie wusste, dass Cal inzwischen für seinen Vater arbeitete, hatte sie damit gerechnet, auf Jack zu treffen. Der war zwar ein Widerling, trotzdem hätte sie tausendmal lieber mit ihm zu tun gehabt als mit Cal."
(Position 168 von 4012)

In Dirty Thoughts steht überraschenderweise die Liebesgeschichte im Vordergrund, nicht die Erotik, und genau dieser Fakt hat mich positiv überrascht. Es ist eine fesselnde Lovestory mit interessanten und sympathischen Figuren, eine Familie, über die ich gerne mehr erfahre. In Dirty Talk geht es mit der Geschichte von Brent weiter und ich freue mich schon darauf, Cal und Jenna und all die anderen wiederzusehen. 



 
~*~ Ullstein ~*~ 336 Seiten ~*~ ISBN-13 9783843715102 ~*~ ePub ~*~ 8,99€ ~*~ Aus dem Amerikanischen übersetzt von Sybille Uplegger ~*~ 12. Mai 2ß17 ~*~

Montag, 17. Juli 2017

DIE SCHULE DER NACHT - Ann A. McDonald

Quelle Penhaligon

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  ~*~*~*~*~*~*~*~ INHALT ~*~*~*~*~*~*~*~


"»Du kannst dich nicht für immer vor der Wahrheit verstecken. Bitte komm zurück, und bring alles zu einem guten Ende.« Diese Nachricht erhält die Amerikanerin Cassandra Blackwell in einem mysteriösen Päckchen, zusammen mit einem alten Foto ihrer verstorbenen Mutter, gekleidet in die schwarze Robe der Oxford Universität. Kurzerhand beschließt sie, nach England zu reisen, um mehr über die geheimnisvolle Vergangenheit ihrer Mutter zu erfahren. Dort entdeckt Cassie eine Welt voller Traditionen und Privilegien und merkt schnell, dass hier eine dunkle Macht am Werk ist – verbunden mit einer geheimen Gesellschaft, die sich Die Schule der Nacht nennt … "
(Quelle Penhaligon)


 ~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~


Ich weiß nicht so ganz, in welches Genre ich Die Schule der Nacht einordnen soll. In den ersten Kapiteln betont Cassandra 'Cassie' Blackwell immer mal wieder, dass sie viel älter als die Erstsemester ist (die Anfang 20 sind) und dass sie sich vorkommt, als würde sie mit Kindern zusammenleben. Dabei kommt mir Cassie selbst noch sehr jung vor. Die Geschichte liest sich, als seien die Figuren Schüler, die rein zufällig schon Alkohol trinken dürfen, nicht Studenten am Oxford College. Ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl, ein Jugendbuch zu lesen, obwohl scheinbar großer Wert darauf gelegt wurde, dem Leser klar zu machen, dass die Figuren schon erwachsen sind. Auch die Covergestaltung spricht eher für einen Mysteryroman für Erwachsene. Ich hätte eine Warnung ganz schön gefunden, dass die Zielgruppe für diesen Roman doch eher jugendliche Leser sind. 

"Den Blick starr auf denn schattigen Fleck der Außenwand des Auditoriums vor ihr gerichtet, versuchte sie, sich mit aller Macht von ihrem Ich zu lösen und, wieder einmal, mit bloßer Willenskraft aus ihrem Körper zu treten." 
(Seite 174)

Protagonistin Cassie ist sehr launisch, eigentlich kann man sogar sagen, sie ist zickig. Was wieder ein Grund dafür ist, warum ich mir sie und die anderen als Teenager vorgestellt habe. Ständig ist ihre Stimme emotional aufgeladen, was die Autorin durch extrem viele Adverbien betont. Andauernd ist Cassies Stimme kühl, schneidend, eisig, knapp, scharf, fassunglos, ... Und das oft innerhalb weniger Seiten. Und wenn nicht beschrieben wird, wie Cassies Stimme klingt, dann 'feuert sie zurück', 'beißt die Zähne zusammen', 'speit jemandem etwas (Gesagtes) entgegen', 'zieht sich lachend aus der Affäre', ''erbost sich', 'erklärt sich einverstanden', 'faucht', 'versetzt ihm den Gandenstoß', 'schnaubt sie wütend', 'fährt ihn scharf an', 'schreit sie gellend in die leere Nacht', ' etc. Ein Sprachklischee nach dem anderen. Was muss man sich eigentlich vorstellen, wenn Cassie 'scharf aufsieht'? Ja, aufsieht, nicht aussieht, diese Formulierung wird recht häufig verwendet.
 
Bei den Dialogen gilt ganz eindeutig "weniger ist mehr", denn die Autorin hat es einfach übertrieben und die meisten Dialoge lesen sich leider sehr holprig und übertrieben theatralisch. Kein einziger gesagter Satz bleibt unkommentiert, nicht einmal so etwas wie "Ja" oder "Nein", als wäre der Leser zu blöd, bei einem Dialog zwischen zwei Personen auch ohne Begleitsätze zu erkennen, wer was sagt. Vieles hat auf mich lächerlich gewirkt, wie eine schlecht gemachte Parodie auf was auch immer.

Auch sonst mangelt es leider an sympathischen oder einfach nur dreidimensionalen Figuren. Da ist die geheimnisvolle, launische Cassie, über die wir Leser nicht viel wissen, obwohl sie die Protagonstin ist. Da ist die aufgedrehte, quirlige Evie. Die divenhafte, reiche Olivia. Der gutaussehende, mysteriöse Hugo. Der fiese Sebastian. Der nerdige, aber nette Elliot, der sympathische Charlie. Keine einzige Figur scheint mehr als eine Facette zu haben, sie sind flach, blass, eindimensional. Langweilig.

"Blindlings taumelte sie den Gang entlang und spürte gleichzeitig, wie die dunklen Klauen der Vergangenheit nach ihr griffen. Nein, sagte sie sich. Nicht jetzt, nicht hier. Sie hatte diese Dämonen zu lange in Schach gehalten, um ihnen jetzt zum Opfer zu fallen."
(Seite 227)

 Und der Plot? Tja, also auf den ersten 250 Seiten passiert nicht viel. Cassie kommt nach Oxford (mit einem gefälschten Stipendium), will dort ihrer Spionage nachgehen (warum erfährt man erst so nach und nach), hat gleichzeitig ein paar Probleme, ihr Stipendium zu behalten (weil sie ja gar nicht zum Studieren in Oxoford ist, sondern um etwas herauszufinden), schließt halbherzige Freundschaften (halbherzig deshalb, weil sie ja nicht in Oxoford ist, um neue Leute kennen zu lernen), verguckt sich in den Falschen (aber mehr als vergucken ist es nicht, denn sie ist ja nicht wegen Männern nach Oxford gekommen) und irgendwie ganz am Rande geht es um eine Geheimgesellschaft, die sich Schule der Nacht nennt und irgendwie hat ihre verstorbene Mutter etwas damit zu tun und jemand begeht scheinbar Selbstmord, aber als schlauer Leser ahnt man sofort, dass da mehr dahinter steckt. Und ab Seite 300 kommen die Steine dann so langsam ins Rollen, bis sie sich auf den letzten paar Seiten plötzlich überschlagen.

Ihr seht also, es ist alles sehr vage, irgendwie wischiwaschi. Nicht direkt langweilig, aber auch nicht spannend. Ich lese mal hier zwanzig Seiten, mal da dreißig Seiten, aber wirklich gefesselt hat es mich nicht. Was mich wieder zu der Kritik führt, dass das Buch scheinbar selbst nicht weiß, was es sein will. Es geht um ein totes Mädchen in der Vergangenheit, um die Rolle, die Cassies Mutter bei diesem Tod gespielt hat, um einen Suizid in der Gegenwart und um eine uralte Geheimgesellschaft, die um jeden Preis geheim bleiben will, und auch ein bisschen um etwas Mystisches. Und irgendwie geht es trotzdem um nichts, jedenfalls um nichts Wichtiges. Tja, und dann endet die Geschichte in einem ziemlich wirren, blutigen Showdown mit vielen Toten (oder auch nicht, so genau, wird darauf nicht eingegangen) und einem klischeebehafteten Ende. Was soll Die Schule der Nacht jetzt sein? Fantasy? Dafür kommen die Fantasyelemente ein bisschen spät. Ein Jugendbuch? Dann wäre ein Hinweis schön gewesen. Ein Roman? Dafür verhalten sich die Figuren zu kindisch.

Die Schule der Nacht ist - wie ich finde - einfach eine uninspirierte Geschichte über eine fiktive Geheimgesellschaft in einem fiktiven Oxford College, die voller Klischees ist und die weder durch ihre Figuren noch ihre Handlung noch ihren Schreibstil überzeugen konnte.




~*~ Penhaligon ~*~ 448 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-7645-3177-5 ~*~ Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ~*~ 19,99€ ~*~ Aus dem Amerikanischen von Christoph Göhler ~*~ 22. Mai 2017 ~*~